Der GARTEN DER RELIGIONEN

Ein Ort der Begegnung und des Dialogs

Die Zeichen der Zeit

Wir leben in einer globalisierten Welt, die alle Bereiche des Lebens umfaßt: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Medien, Verkehr, Religion, unseren gesamten Alltag. Die Folgen haben heute auch das kleinste Dorf und die entfernste Stadt erreicht und Flüchtlinge aus Kriegs- und Mangelländern zu uns gebracht. So begegnen wir Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit anderen Religionen, die Interesse und Staunen, aber auch Ängste und Abwehr hervorrufen können. Das friedvolle Miteinander in gegenseitigem Respekt und wohlwollender Anteilnahme und die Bewahrung der Schöpfung muss der Auftrag an die Menschheit als Ganzes und an jeden Einzelnen sein, denn: wir leben alle in dieser EINEN WELT.

Elemente im GARTEN DER RELIGIONEN

Garten - Natur und Schöpfung

Noch heute ist der Garten - besonders in der Stadt - ein Sehnsuchtsraum. Hier läßt sich Ruhe finden, Natur erleben und eine Ahnung vom unbeschwerten Leben erfahren. Der Garten, der umfriedete Raum, der Schutz bot und zugleich die Natur dem Menschen direkt am Wohnort verfügbar machte, stand und steht bis heute für das Paradies, jenem Ort des Friedens und der Unbeschwertheit, der Sicherheit und Harmonie, der sich in den drei abrahamitischen Religionen wiederfindet. Die biblische Erzählung von der Erschaffung des Menschen führt in diesen Garten, den Gott für den Menschen gepflanzt hat, ein Raum, in dem der Mensch sicher leben kann. 
Heute erinnert das Bild des Gartens angesichts von Kriegen, Gewalt und Umweltzerstörung an den elementaren Auftrag an uns Menschen: Bewahrung der Schöpfung und das friedvolle Miteinander in gegenseitigem Respekt und wohlwollender Anteilnahme.

Wege - Wege beschreiten, Brücken bauen

Wege sind uns heute zu „Strecken“ geworden, die wir mit den verschiedensten Verkehrsmitteln „zurücklegen“. Doch wie viele Wege beschreiten wir noch bewußt, nehmen so Nähe und Ferne wahr, machen uns auf den Weg, bewegen uns in unserer Welt und in der Schöpfung? Wie viele Hindernisse sind zu überwinden, um Annäherung im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne möglich zu machen, um das Entfernte und Fremde kennen zu lernen? Wie viele Brücken müssen gebaut werden, um den Anderen zu erreichen? 

Stelen

Sechs Stelen aus Naturstein (bergische Grauwacke) repräsentieren fünf der großen Weltreligionen und jene Menschen, die sich keiner dieser Religionen zugehörig fühlen. Die Stelen sind mit jeweils einem Impulswort gekennzeichnet und einer Religion zugeordnet. In einem Spiegel an jeder Stele kann der Betrachter sich selbst wie auch den Himmel sehen, an dem jede Religion ihren Anteil hat: ein Anlass zum Nachdenken über sich selbst und die eigene Beziehung zur Natur und zur Religion. 

Die Aufgabe der Religionen

Die großen Religionen nehmen sich selbst als Teil der Globalisierung und eines weltweiten Netzes wahr. Sie sind in ganz neuer Weise „Weltreligionen“. In dieser Situation kommt auch ihnen die große Aufgabe zu, die Menschen zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Dialog und gemeinsamen friedlichen Leben anzuleiten: „Heute religiös sein heißt interreligiös sein.“ Dies bedeutet keine Verflachung des Religiösen, vielmehr kann die Begegnung mit den anderen Glaubenswelten zur Vertiefung des eigenen Glaubens anleiten und zu gegenseitiger Toleranz und anerkennenden Würdigung führen.


Die neue Sicht in der Katholischen Kirche

Schon das 2. Vatikanische Konzil (1962–1965) hat für die Idee des  gegenseitigen Respekts der Weltreligionen einen bedeutsamen Impuls gegeben. In der Erklärung  über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen NOSTRA AETATE heißt es: 

„In unserer Zeit, in der sich das Menschengeschlecht von Tag zu Tag enger zu vereinen sucht und die Beziehungen unter den verschiedenen Völkern sich mehren, erwägt die Kirche (...), wie ihre Haltung zu den nichtchristlichen Religionen ist. Bei ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen, ja sogar unter den Völkern zu fördern, erwägt sie hier vor allem das, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur gegenseitigen Gemeinschaft führt ... Die Katholische Kirche verwirft nichts von dem, was in den Religionen wahr und heilig ist … Deshalb ermahnt sie ihre Mitglieder, dass sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräche und Zusammenarbeit mit den Anhängern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“

Ein franziskanischer Ort

Das ehemalige Kloster St. Franziskus in Recklinghausen-Stuckenbusch

Als im Jahr 1900 einige Franziskaner nach Recklinghausen-Stuckenbusch kamen, um hier im folgenden Jahr die Gläubigen vor Ort als Seelsorger zu betreuen, konnten die Patres kaum ahnen, welche Anforderungen in der Zukunft an die Gemeinde vor Ort angesichts einer schwindenden Zahl von Kirchenmitgliedern gerichtet würden. Mit der Auflösung des Klosters im Jahr 1969  wurde die Gemeinde eine „normale”  Pfarrei, die seit 2016 zur Großgemeinde St. Peter gehört. 
Die nun nicht mehr benötigten Klostergebäude wurden in Gemeinderäume und Wohnungen umgewandelt. Den bis dahin zur Selbstversorgung der Franziskaner dienenden Klostergarten ließ Pfarrer Alfons Hünting (1979 - 1995) zu einem Park umgestalten, der heute seinen Namen trägt. Noch heute steht hier ein Apfelbaum aus der Zeit der Franziskaner.

Die Vitalität der Gemeinde spiegelt sich nicht zuletzt in der Gruppe der ehrenamtlich tätigen „Krippenbauer” wider. Sie gestalten - ganz in der von dem Ordensgründer, dem hl. Franz von Assisi (1182-1226) ins Leben gerufenen Krippentradition - seit langem im Chor der Franziskuskirche ein groß angelegtes Krippenpanorama, das schon seit vielen Jahren in der gesamten Region große Beachtung findet und ein liebgewonnener Anziehungspunkt für Jung und Alt zu Weihnachten ist. 
Außerhalb der Weihnachtszeit pflegen die Mitglieder dieser Gruppe den oben beschriebenen Alfons-Hünting-Park und nun auch den im Alfons-Hünting-Park integrierten GARTEN DER RELIGIONEN. 

Franz von Assisi als Leitbild

Als ein Beispiel für den interreligiösen Dialog kann dem Leben und Werk des Heiligen Franziskus (1182 - 1226) besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. 

1219 besuchte er als armer Bettler während des 5. Kreuzzuges den Sultan al Malik al Kamil in Ägypten, was bis heute als ein großartiges Beispiel für den Dialog zwischen Menschen verschiedener Religionen gilt.
Sein wohl bekanntester Text „Der Sonnengesang“ eröffnet die Chance, sich über die Bedeutung der Schöpfung in den Religionen und die damit verbundene Verantwortung von Menschen heute auseinanderzusetzen.Die Besucher können sich hier von der unmittelbaren Schönheit der Natur ansprechen lassen, die für Franz von Assisi immer ein Anlass war, Gott zu loben und zu preisen. 

Der GARTEN DER RELIGIONEN in St. Franziskus Recklinghausen-Stuckenbusch will im Geiste des hl. Franz von Assisi der Tradition des Friedens, Ausgleichs und der Versöhnung Raum geben und eine Einladung sein, sich auf eine neue Sicht einzulassen und dadurch das eigene geistliche Leben zu vertiefen.